Von der Idee zum Reinfall - Warum Projekte scheitern

Gescheitertes Projekt

Auch wenn ich noch keine Gründung hinter mir habe, so konnte ich bereits viele Projekte beobachten, die gescheitert sind. Oft war dies nicht verwunderlich, den jedes neue Projekt bietet neben den Möglichkeiten die sich das Team bereits im Kopf ausmalt, vor allem viel Potential für Fehler.

Nachfolgend möchte ich einige Punkte aufführen, die mir immer wieder ins Auge stechen und von den Beteiligten oftmals übersehen oder schlicht verdrängt werden. Dies reicht von offensichtlichen Fehlern wie einem schlechtem Zeitmanagement, einer schlechten finanziellen Situation, bis hin zu nicht durchdachten Konzepten, falscher Zielsetzung und Sturreit.

Zeit

Wer etwas erfolgreiches schaffen will, muss mit ganzem Herzen dabei sein. Eigentlich eine klare Aussage, doch hängt hier wesentlich mehr dran. Den wer sich voll und ganz darauf konzentriert, eine Idee in ein echtes Produkt zu verwandeln, hat wenig Zeit für andere Dinge. Ein sicherer Job nebenher wie auch genug Zeit für Familie und Freunde zu finden ist da schwer, wenn nicht sogar unmöglich. Daher sollte man sich direkt fragen, ob genug Potential in einer Idee steckt, um dies für einige Zeit opfern zu können.

Zeitmanagement

Neben der Zeit, welche man persönlich aufbringen muss, ist es natürlich auch wichtig, die zur verfügung stehende Zeit gut einzuteilen. Dies bedeutet auch, jede Möglichkeit zu nutzen, die Zeitersparnis mit sich bringt. Gerade wenn es um Software geht, macht es keinen Sinn Teile eines Projektes neu zu entwickeln, wenn es dafür bereits ausgereifte und getestete Komponenten gibt. Auch sollte man eine Projektmanagement-Tool verwenden, welches es einem erlaubt, den Gesamtstatus des Projektes im Auge zu behalten und die Aufgaben klar zu verteilen.

Finanzen

Der finanzielle Aspekt hängt sicherlich auch mit dem Zeitfaktor zusammen. Eine Idee alleine bringt oftmals noch kein Geld, es sei den man findet eine Sponsor, der einem unter die Arme greift. Wer dies nicht hat, muss sich für den Zeitraum bis zum ersten Geldeingang finanziell absichern und das heißt nicht nur, die Kosten für die Entwicklung im Blick zu haben, sondern auch die persönlichen Lebenshaltungskosten. Eine Gründung muss man sich eben auch leisten können.

Markt

Ein Punkt der sicherlich einen Großteil von Startups bereits den Kopf gekostet hat. Den nur weil ein Produkt noch nicht am Markt ist, heißt dies nicht automatisch, dass es auch vom Markt verlangt wird. Oft sieht man Produkte, welchen man viel Potential zuspricht, aber man bei genauem Nachdenken feststellt, dass man niemand kennt (sich selbst eingeschlossen), der etwas derartiges in seinem Leben bisher vermisst hat. Gerade bei technischen Spielereien, die keine praktischen Zweck erfüllen, kann dies sehr schnell der Fall sein, vor allem dann, wenn es nicht für jeden erschwinglich ist.

Konkurrenz

Gibt es auf einem Gebiet zu viel Konkurrenz, so besteht wahrscheinlich auch genügend Nachfrage. Das ist gut, macht es aber auch schwer, am Markt Fuß zu fassen. Bei zu wenig Konkurrenz sollte man eine genaue Analyse machen, den ggf. ist die Idee einfach nur schlecht oder es gibt nicht genügend Potential am Markt. Wenn es nur wenig Konkurrenz gibt und diese es bereits schwer hat, sollte man definitiv die Finger davon lassen.

Zielgruppe

Immer wieder spreche ich mit Leuten, die bereits seit längerem eine Idee im Kopf haben, die auf den persönlichen Problemen oder Vorlieben basiert. Dies mag ja schön und gut sein, nur darf man nicht der einzige sein, der sich in diesem Szenario wieder findet. In der Regel geht es damit weiter, dass man seine Idee an den Freundeskreis heran trägt. Meistens stößt man hier direkt auf Begeisterung, auch wennn dies nicht immer ehrlich ist. Einem guten Freund zu erklären, warum seine Idee schlecht ist, ist nicht leicht, daher sollte man immer eine breite Masse an Meinungen einfordern, da man sonst Gefahr läuft, ein Produkt zu entwickeln, welches von niemandem außer einem selbst gebraucht wird.

Gerade bei Ideen für eine Zielgruppe, in welcher man sich selbst nicht wieder findet, sollte man den Dialog suchen. Oft genug kommt dann heraus, dass es so etwas schon gibt, oder geben hat und es sich einfach nicht durchsetzen konnte.

Team

Ein gutes Team ist für ein erfolgreiches Projekt unerlässlich. Doch wird der ein oder andere wissen, dass gute Freunde nicht automatisch auch gute Kollegen sind.

Der Klassiker: man sucht aus Zeit- oder Kostengründen, oder auch nur aus Faulheit nur im Freundes- oder Bekanntenkreis nach Partner. Hier wird man zwar meistens schnell fündig, hat aber mitunter nicht die richtige Person für den Job. Freunde sollte man, wenn überhaupt, nur dann einsetzen, wenn man von ihren Fähigkeiten überzeugt ist und nicht nur von ihrer Persönlichkeit. Im schlimmsten Fall führt eine schlechte Wahl zum Endes des Projektes und auch der Freundschaft.

Verlässlichkeit

Neben einem handwerklich guten Team, muss ein Team auch verlässlich sein. Sollte dies einmal nicht der Fall sein, benötigt es einen konsequenten Kopf, der auch in der Lage ist, hart durchzugreifen. Nicht erledigte Aufgaben oder gar Abwesenheit dürfen nicht mit einem Säufzer und leeren Worten abgetan werden, den letzten Endes geht es um mehr als die zwischenmenschlichen Beziehungen im Team.

Kommunikation

Immer wieder genannt und immer wieder ein Problem ist die Kommunikation zwischen allen Beteiligten. Das setzt voraus, dass jedes Teammitglied weiß, was der andere macht und vor allem auch, welche Möglichgkeiten es gibt. So vermeidet man falsche Versprechen an die potentiellen Nutzer, welche am Ende nicht geliefert werden können.

Auch sollte man drauf achten bei Besprechungen und vor allem Entscheidungsfindungen, niemanden aus dem Team außen vor zu lassen. Vor allem sollte die Machbarkeit immer mit demjenigen besprochen werden, der diesen Teil umsetzen soll, den im Zweifelsfall kann nur derjenige potentiell auftretende Probleme frühzeitig identifizieren.

Umständlichkeit

Wer die Probleme von sich und auch anderen Menschen lösen möchte, der muss vor allem darauf achten, dass der eigene Aufwand, aber auch der Aufwand für die Nutzer, so gering wie möglich gehalten wird. Lange und umständliche Registrierungsprozesse, Zahlungsabwicklungen oder gar Identitätsprüfungen sind für viele Nutzer ein Grund, direkt an dieser Stelle abzubrechen. Niemand geht gerne in Vorleistung, aber als Ver- oder Betreiber von etwas Neuem, muss man dies tun, um die Nutzer für sich zu gewinnen.

Fazit

Viele Risiken scheinen offensichtlich, doch nicht immer werden sie auch von den Beteiligten bemerkt. Gerade wer voller Tatendrang ist übersieht meist die einfachen Dinge. Grundsätzlich sollte man immer den Dialog suchen und ehrliche Meinungen einfordern, auch wenn dies manchmal unbequem sein kann.

Eine gute Möglichkeit Risiken zu identifizieren bietet die Devil’s-Advocacy-Technik. Wer es nicht schafft, seine Idee gegen Kritik zu behaupten, der muss diese nicht zwangsläufig gleich über den Haufen werfen, sollte aber einiges überdenken und optimieren.


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